03. Januar 2018

Das Programm der neuen Regierung wurde am 16.12. präsentiert. Gewisse Themen aus dem Bildungskapitel sorgten bereits vor Veröffentlichung für kritische Diskussionen, gleichzeitig finden sich auch einige NEUSTART SCHULE Kernforderungen unter den Vorhaben der Regierung.
Obwohl Schulnoten zwar nun wieder verpflichtend werden, haben wir einen Auszug der Reformvorhaben verbal beurteilt. Dabei haben wir die Umsetzung der Neustart-Schule Bildungsbaustellen und auch weitere Themen berücksichtigt.

 

BILDUNGSBAUSTELLE I // Gemeinsame Ziele
Geplant: leider keine Vorhaben zu neuer Reformqualität 

Einschätzung NEUSTART SCHULE
Fehlende Reformkultur: Die vergangenen Legislaturperioden haben gezeigt, dass uns ideologische Grabenkämpfe und gegenseitige Blockaden nicht weiterbringen. Es braucht eine neue Strategie und Kultur in der Art und Weise, wie Reformen angegangen werden. Zum Start dieser Legislaturperiode spricht sich die Initiative NEUSTART SCHULE daher für einen parteien- und institutionenübergreifenden Dialogprozess aus, der sich mit der Frage beschäftigt, was wir uns von Bildung in Österreich eigentlich erwarten und was Kinder und Jugendliche am Ende der Bildungspflicht wissen und können sollen. Mit dem Ergebnis dieses Dialogs wird es möglich sein, eine Bildungspolitik zu gestalten, die nicht nur für eine Legislaturperiode Gültigkeit hat.

 

BILDUNGSBAUSTELLE II // Beste Bildung von Anfang an
Geplant: Stärkung der Elementarbildung

Einschätzung NEUSTART SCHULE
Viele positive Vorschläge, vor allem die Angebote Tertiärisierung der Ausbildung von Leitungsfunktionen, Qualitätsrahmen und
2. Kindergartenjahr für Kinder mit Sprachschwierigkeiten sowie die Einbettung der elementarpädagogischen Agenden in das Bildungsministerium. Wünschenswert wäre in einer Maximalvariante das 2. verpflichtende Kindergarten für alle und die verpflichtende tertiäre Ausbildung für Leistungsfunktionen. Derzeit liegt noch großer Fokus auf der Sicherung von Werten und leider wenig auf dem Erwerb anderer Kompetenzen (musisch, kreativ, MINT). Definitiv braucht es zusätzliche Geldmittel.

 

BILDUNGSBAUSTELLE III // Verlässliche Grundbildung für alle
Geplant: Bildungspflicht, Digitale Leistungsaufzeichnung, PädagogInnengesetz NEU

Einschätzung NEUSTART SCHULE
Eine Bildungspflicht ist positiv und eine der Kernforderungen von NEUSTART SCHULE für die Steigerung der Bildungsqualität. In der konkreten Ausgestaltung wichtig: keine zusätzliche Testungen, sondern vor allem die Begleitung der Kinder. Eine digitale Leistungsaufzeichnung ist zu befürworten, wenn es um die Förderung und Unterstützung der Kinder geht, nicht jedoch, wenn es auf eine Punzierung hinausläuft. Die Vorhaben im Bereich der PädagogInnen sind grundsätzlich sinnvoll, ob und wie „Leistung“ für den pädagogischen Beruf festgestellt werden kann, sollte eingehend mit ExpertInnen diskutiert und geklärt werden.

 

BILDUNGSBAUSTELLE IV // Mehr Spitze, Mehr Breite
Geplant: Wiedereinführung Ziffernoten, weiterer Ausbau Ganztagsschulen, Aufrechterhaltung differenziertes Schulwesen

Einschätzung NEUSTART SCHULE
Die Rücknahme der eingeführten Standortautonomie für alternative Beurteilungssysteme ist ein Rückschritt. Der Ausbau der Ganztagesschulen ist positiv, aber durch das Bildungsinvestitionsgesetz bereits auf Schiene. Während wir uns unter gewissen Rahmenbedingungen für die Realisierung einer neuen gemeinsamen Schule vom ersten Schultag bis zum Ende der Bildungspflicht aussprechen, setzt die Regierung weiterhn auf das differenzierte Schulwesen. Immerhin sollen die geplanten Modellregionen auch weiterhin möglich sein.

 

BILDUNGSBAUSTELLE V // Fit für das 21. Jahrhundert
Geplant: Wirtschaftliche Kompetenzen stärken, Entrümpelung der Lehrpläne, Erweiterung Geschichte/Sozialkunde durch Staatskunde und politische Bildung

Einschätzung NEUSTART SCHULE
Positiv ist die Stärkung wirtschaftlicher Kompetenzen sowie Politische Bildung. Das Bewusstsein dafür zu schaffen und die Fähigkeit zu vermitteln, sich als mündige/r Bürger/in im System Wirtschaft & Politik bewegen zu können ist zeitgemäß, ebenso die Vermittlung unserer staatlichen Grundwerte und rechtsstaatlichen Prinzipien. Die Entrümpelung der Lehrpläne ist ein absolut zu begrüßendes Großprojekt.
Klar ist: die Lehrinhalte müssen im 21. Jahrhundert ankommen. 

 

ELTERNEINBINDUNG
Geplant: Einforderung stärkerer Elternmitwirkung und Sanktionsmaßnahmen

Einschätzung NEUSTART SCHULE
Eltern und Erziehungsberechtigte nehmen eine wichtige Rolle in den Bildungskarrieren von Kindern und Jugendlichen ein, ihre Verantwortung zu fördern ist ein richtiges Anliegen. Dabei ist der Zusammenarbeit in einer funktionierenden Schulpartnerschaft der Vorzug zu geben, indem PädagogInnen Eltern systematisch und „dialogisch“ in das Bildungsgeschehen einbinden. Sanktionen als Konsequenz von Schulpflichtverletzungen sind nicht geeignet, um bestehende Probleme zu lösen.

 

FINANZIERUNG
Geplant: Mehr finanzielle Autonomie für die Schulen, langfristige Lehrerressourcenplanung für alle Schultypen, einheitliche Mittelzuteilung unter Bedachtnahme auf regionale/soziale Anforderungen, bedarfsgerechter Einsatz von Unterstützungspersonal

Einschätzung NEUSTART SCHULE
Dass die Schulen künftig mehr finanzielle Autonomie bekommen sollen, ist positiv. Ebenso ist die Unterstützung der Schulen durch administratives Unterstützungspersonal ein Gebot der Stunde. Wichtig bei der konkreten Ausgestaltung des Finanzierungspakets: alle Schulen müssen fair und ausreichend finanziert werden, zusätzlich braucht es Mittel für besondere Herausforderungen am Standort. Regionale und soziale Anforderungen dabei künftig zu berücksichtigen, ist daher ein richtiger und unterstützenswerter Ansatz.

 

BILDUNGSSPRACHE DEUTSCH
Geplant: Deutsch vor Schuleintritt

Einschätzung NEUSTART SCHULE
Ein Fokus auf die Bildungssprache Deutsch ist wesentlich und richtig. Das Thema Deutsch vor Schuleintritt sollte man dennoch nicht zu restriktiv angehen und die Bedürfnisse und die Einschätzung am Standort berücksichtigen. Eigene Vorbereitungsgruppen können in Ballungsräumen Sinn machen, in Schulen mit wenigen Kindern mit Sprachförderbedarf kann dies sicher auch integrativ gut funktionieren. Der Fokus sollte auf integrationsfördernden Begleitmaßnahmen liegen, etwa temporäre Vorbereitungsgruppen mit gleichzeitiger Zugehörigkeit zu einer heterogenen „Stammgruppe“. Es braucht ein durchgängiges Sprachbildungs- und Sprachförderkonzept über alle Bildungsstufen und bis zum Ende der Schullaufbahn unter Einbeziehung und Wertschätzung der Muttersprache. Grundsätzlich gilt: Alle Kraft in die Phase von 0-6 und etwaige Sprachprobleme dort beheben.

 

HIER geht es zum kompletten Regierungsprogramm.

Du möchtest die geplanten Reformen auch bewerten? Dann mach mit bei unserer Umfrage!

 

Kategorie: 
Thema im Fokus